Positionsgröße berechnen: Die Formel, die dein Konto schützt
    Risikomanagement

    Positionsgröße berechnen: Die Formel, die dein Konto schützt

    Mit dieser Formel bestimmst du in einer Minute, wie viele Lots du handelst. Drei durchgerechnete Beispiele für EUR/USD, DAX und Gold plus die häufigsten Rechenfehler.

    David WarneyDavid Warney9 Min. Lesezeit

    Die meisten Trader verbringen Stunden mit der Frage, wo sie einsteigen. Die Frage, wie groß die Position sein soll, beantworten sie dagegen in zwei Sekunden aus dem Bauch heraus. Genau das ist der Grund, warum so viele Konten nicht an schlechten Einstiegen scheitern, sondern an zu großen Positionen.

    Wenn du die Positionsgröße berechnest, statt sie zu schätzen, weißt du vor jedem Trade auf den Euro genau, was du im schlimmsten Fall verlierst. In diesem Artikel zeige ich dir die Formel, rechne sie mit dir an drei echten Beispielen durch und erkläre dir, welche Fehler ich in über 19 Jahren Trading immer wieder bei Tradern gesehen habe.

    Was die Positionsgröße eigentlich ist

    Die Positionsgröße ist die Menge, die du in einem Trade handelst. Im Forex Handel wird sie in Lots angegeben, bei Indizes wie dem DAX meistens in Kontrakten und bei Aktien in Stück. Die Positionsgröße entscheidet darüber, wie viel Geld ein Punkt Kursbewegung für dich wert ist.

    Ein Alltagsvergleich hilft hier. Wenn du tanken fährst, entscheidet nicht der Literpreis allein darüber, was du am Ende zahlst, sondern die Menge, die du tankst. Beim Trading ist der Stop-Loss der Literpreis und die Positionsgröße die Menge. Erst beides zusammen ergibt die Rechnung, die du im Verlustfall bezahlst.

    Deshalb ist die Positionsgröße kein Detail. Sie ist das zentrale Werkzeug deines Risikomanagements. Ein enger Stop-Loss mit einer riesigen Position kann gefährlicher sein als ein weiter Stop-Loss mit einer kleinen Position.

    Die Formel zum Positionsgröße berechnen

    Die Formel ist einfacher, als viele denken. Du brauchst nur drei Werte:

    Positionsgröße = Risikobetrag ÷ (Stop-Loss Abstand × Wert pro Punkt)

    Der Risikobetrag ist der Teil deines Kontos, den du bei diesem Trade maximal verlieren willst. Der Stop-Loss Abstand ist die Distanz zwischen deinem Einstieg und deinem Stop-Loss in Punkten oder Pips. Der Wert pro Punkt sagt dir, wie viel Geld eine Bewegung von einem Punkt bei einer Positionsgröße von 1 Lot oder 1 Kontrakt wert ist.

    Schritt 1: Den Risikobetrag festlegen

    Der Risikobetrag ergibt sich aus deinem Kontostand und deinem Risiko in Prozent. Wenn du 10.000 € auf dem Konto hast und 1 % pro Trade riskierst, beträgt dein Risikobetrag 100 €. Diese 100 € sind die Obergrenze für den Verlust in diesem einen Trade.

    Schritt 2: Den Stop-Loss Abstand bestimmen

    Der Stop-Loss kommt aus deiner Analyse und nicht aus deinem Geldbeutel. Du setzt ihn dorthin, wo dein Trade Setup technisch ungültig wird, zum Beispiel unter ein letztes Tief. Erst danach misst du den Abstand zum Einstieg. Wenn du bei 1,0850 einsteigst und dein Stop-Loss bei 1,0825 liegt, beträgt der Abstand 25 Pips.

    Schritt 3: Den Wert pro Punkt herausfinden

    Der Punktwert hängt vom Instrument und von deinem Broker ab. Im MetaTrader findest du ihn in der Kontraktspezifikation des jeweiligen Symbols. Wenn du dir unsicher bist, frag lieber einmal beim Support deines Brokers nach, als mit einem falschen Wert zu rechnen. Ein falscher Punktwert macht die ganze Rechnung wertlos.

    Formel zum Positionsgröße berechnen am Beispiel EUR/USD
    Formel zum Positionsgröße berechnen am Beispiel EUR/USD

    Beispiel 1: Positionsgröße berechnen bei EUR/USD

    Nehmen wir an, du hast ein Konto mit 10.000 € und riskierst 1 % pro Trade. Dein Risikobetrag liegt also bei 100 €. Du möchtest EUR/USD kaufen und dein Stop-Loss liegt 25 Pips unter dem Einstieg.

    Bei EUR/USD ist ein Pip bei einem Standard Lot von 100.000 Einheiten 10 US-Dollar wert. Da dein Konto in Euro geführt wird, musst du das umrechnen. Bei einem Kurs von 1,10 sind 10 US-Dollar rund 9,09 €.

    Jetzt setzt du die Werte in die Formel ein: 100 € ÷ (25 Pips × 9,09 €) = 100 € ÷ 227,25 € = 0,44 Lot.

    Wenn der Stop-Loss greift, verlierst du also rund 100 € und nicht mehr. Wenn du stattdessen aus dem Bauch heraus 1 Lot gehandelt hättest, wären es rund 227 € gewesen. Das ist mehr als das Doppelte deines geplanten Risikos, nur wegen einer geschätzten Zahl.

    Achtung bei Yen Paaren

    Bei Währungspaaren mit dem japanischen Yen wie USD/JPY liegt ein Pip nicht an der vierten, sondern an der zweiten Nachkommastelle. Ein Pip ist dort also 0,01. Wenn du das übersiehst, verrechnest du dich beim Stop-Loss Abstand um den Faktor 100. Das ist einer der häufigsten Rechenfehler bei Einsteigern.

    Beispiel 2: Positionsgröße berechnen beim DAX

    Beim DAX ist die Rechnung oft noch einfacher, weil viele Broker den DAX CFD mit 1 € pro Punkt und Kontrakt anbieten. Prüfe diesen Wert trotzdem in der Kontraktspezifikation, denn es gibt auch Varianten mit 5 € oder 25 € pro Punkt.

    Wenn du ein Konto mit 5.000 € hast und 1 % riskierst, liegt dein Risikobetrag bei 50 €. Dein Stop-Loss liegt 40 Punkte vom Einstieg entfernt. Die Rechnung lautet: 50 € ÷ (40 Punkte × 1 €) = 1,25 Kontrakte.

    Jetzt kommt es darauf an, welche Schrittweite dein Broker erlaubt. Wenn nur ganze Kontrakte möglich sind, handelst du 1 Kontrakt und riskierst damit 40 €. Wenn Zehntel erlaubt sind, handelst du 1,2 Kontrakte und riskierst 48 €. In beiden Fällen bleibst du unter deinen 50 €.

    Beispiel 3: Positionsgröße berechnen bei Gold

    Gold wird im MetaTrader meistens als XAU/USD gehandelt. Bei vielen Brokern entspricht 1 Lot 100 Unzen. Wenn sich der Goldpreis um 1 US-Dollar bewegt, verändert sich deine Position bei 1 Lot also um 100 US-Dollar.

    Wenn du wieder 100 € riskierst, sind das bei einem Kurs von 1,10 rund 110 US-Dollar. Dein Stop-Loss liegt 8 US-Dollar vom Einstieg entfernt. Die Rechnung lautet: 110 US-Dollar ÷ (8 × 100 US-Dollar) = 0,1375 Lot. Abgerundet handelst du 0,13 Lot.

    Gold ist ein gutes Beispiel dafür, warum du nie mit einer festen Lotgröße für alle Märkte arbeiten solltest. 0,44 Lot bei EUR/USD und 0,44 Lot bei Gold sind zwei völlig unterschiedliche Risiken.

    Immer abrunden, nie aufrunden

    Wenn deine Rechnung ein krummes Ergebnis liefert, rundest du immer ab. Aus 0,447 Lot werden 0,44 Lot und nicht 0,45 Lot. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber es ist eine Frage der Disziplin. Dein Risikobetrag ist eine Obergrenze und keine Zielmarke.

    Dazu kommt, dass der Stop-Loss nicht immer exakt an deinem Preis ausgeführt wird. Bei schnellen Märkten oder Kurslücken kann es zu Slippage kommen. Auch Spread und Kommission gehören zu deinen Kosten. Wenn du abrundest, hast du einen kleinen Puffer für genau diese Fälle.

    Wie viel Prozent Risiko pro Trade sind sinnvoll?

    Diese Frage kann dir niemand pauschal beantworten, weil sie von deiner Strategie, deiner Trefferquote und deiner persönlichen Belastbarkeit abhängt. Viele erfahrene Trader arbeiten mit einem Risiko zwischen 0,5 % und 2 % pro Trade. Der Grund dafür wird klar, wenn du dir eine Verlustserie anschaust.

    Wenn du zehn Trades in Folge verlierst, sieht dein Konto von 10.000 € je nach Risiko so aus:

    Bei 1 % Risiko: Dein Konto steht bei rund 9.044 €. Das ist ein Minus von etwa 9,6 %. Um wieder auf den Ausgangsstand zu kommen, brauchst du rund 10,6 % Gewinn.

    Bei 2 % Risiko: Dein Konto steht bei rund 8.171 €. Das ist ein Minus von etwa 18,3 %. Für den Ausgleich brauchst du rund 22,4 % Gewinn.

    Bei 5 % Risiko: Dein Konto steht bei rund 5.987 €. Das ist ein Minus von etwa 40,1 %. Für den Ausgleich brauchst du rund 67 % Gewinn.

    Zehn Verluste in Folge klingen erst einmal unwahrscheinlich. Wenn du aber über Jahre hunderte Trades machst, wirst du solche Phasen erleben. Aus meiner Erfahrung ist es nicht die Frage, ob eine Verlustserie kommt, sondern wann. Wie du in so einer Phase ruhig bleibst, liest du in unserem Artikel über die Verlustserie im Trading.

    Kontostand nach 10 Verlusten bei 1, 2 und 5 Prozent Risiko
    Kontostand nach 10 Verlusten bei 1, 2 und 5 Prozent Risiko

    Die häufigsten Fehler beim Positionsgröße berechnen

    Fehler 1: Den Stop-Loss an die Positionsgröße anpassen

    Viele Trader entscheiden sich zuerst für eine Lotgröße und setzen den Stop-Loss dann dorthin, wo der Verlust noch erträglich wirkt. Damit steht der Stop-Loss an einer Stelle, die mit dem Markt nichts zu tun hat. Die richtige Reihenfolge ist immer: Stop-Loss aus der Analyse, danach die Positionsgröße aus der Formel.

    Fehler 2: Hebel und Risiko verwechseln

    Der Hebel bestimmt, wie viel Margin du für eine Position hinterlegen musst. Er sagt aber nichts darüber aus, wie viel du verlieren kannst. Wenn du mit Hebel 1:30 oder 1:500 die gleiche Positionsgröße handelst, ist dein Verlust beim Stop-Loss exakt gleich. Dein Risiko steuerst du ausschließlich über Positionsgröße und Stop-Loss.

    Fehler 3: Nach einem Verlust die Position vergrößern

    Nach einem Verlusttrade ist die Versuchung groß, beim nächsten Trade mit mehr Lots alles zurückzuholen. Genau hier verlässt du deine Formel und tradest mit Emotionen. Wenn du dieses Muster bei dir erkennst, hilft dir unser Artikel zum Thema Revenge Trading vermeiden. Das Gleiche gilt übrigens auch in die andere Richtung. Wer aus Angst etwas zu verpassen spontan größer einsteigt, findet Hilfe im Artikel FOMO Trading vermeiden.

    Fehler 4: Mit dem Kontostand vom Monatsanfang rechnen

    Dein Risikobetrag sollte sich immer am aktuellen Kontostand orientieren. Wenn dein Konto von 10.000 € auf 9.000 € gefallen ist, sind 1 % eben nur noch 90 € und nicht mehr 100 €. Dadurch werden deine Positionen in schwachen Phasen automatisch kleiner und in guten Phasen automatisch größer.

    Positionsgröße automatisch berechnen mit dem Kings Assistent

    Vor jedem Trade per Hand zu rechnen kostet Zeit und ist fehleranfällig, gerade wenn es im Markt schnell gehen muss. Ein vertauschter Punktwert oder ein Komma an der falschen Stelle reicht, und dein Risiko ist plötzlich doppelt so hoch wie geplant. Deshalb nutzen wir bei Trading-Kings dafür ein eigenes Tool: den Kings Assistent.

    Der Kings Assistent läuft direkt im MetaTrader 5 als Panel im Chart. Du wählst BUY oder SELL, trägst dein Risiko in Prozent ein und gibst Stop-Loss und Take-Profit an. Das kannst du in Punkten, als Preis oder direkt als Geldbetrag machen. Der Kings Assistent berechnet daraus automatisch die passende Lotgröße und zeigt dir an, wie viel Euro du im Verlustfall riskierst.

    Im Beispiel unten siehst du einen Long Trade im GER40 mit 1 % Risiko, 40 Punkten Stop-Loss und 80 Punkten Take-Profit. Der Kings Assistent rechnet die Lots aus, zeigt den möglichen Verlust und Gewinn in Euro und gibt dir gleich das Chance Risiko Verhältnis dazu. Du musst nichts mehr im Kopf oder im Taschenrechner umrechnen.

    Kings Assistent im MetaTrader 5: Long Trade im GER40 mit 1 % Risiko, 1,87 Lots und CRV 2,00
    Kings Assistent im MetaTrader 5: Long Trade im GER40 mit 1 % Risiko, 1,87 Lots und CRV 2,00

    Wenn alles passt, setzt du die Order mit einem Klick auf Trade eingehen als Market, Limit oder Stop Order ab. Wenn du dir den Trade vorher anschauen willst, nutzt du Trade einzeichnen. Dann erscheinen Stop-Loss und Take-Profit als Linien im Chart, die du frei verschieben kannst. An den Linien steht jeweils der Gewinn oder Verlust in deiner Kontowährung, und die Positionsgröße passt sich an deinen neuen Stop-Loss an.

    Wichtig ist dabei: Das Tool nimmt dir die Rechnung ab, aber nicht die Entscheidung. Wo dein Stop-Loss liegt und wie viel Prozent du riskierst, legst weiterhin du fest. Genau deshalb solltest du die Formel aus diesem Artikel trotzdem verstanden haben.

    FAQ zum Thema Positionsgröße berechnen

    Wie berechne ich die Positionsgröße im Trading?

    Du teilst deinen Risikobetrag durch das Produkt aus Stop-Loss Abstand und Wert pro Punkt. Bei einem Risikobetrag von 100 €, einem Stop-Loss von 25 Pips und einem Pipwert von 9,09 € ergibt das 0,44 Lot.

    Was ist eine gute Positionsgröße für Anfänger?

    Eine gute Positionsgröße gibt es nicht als feste Zahl, weil sie immer vom Stop-Loss abhängt. Entscheidend ist das Risiko pro Trade. Viele Trader starten mit 0,5 % bis 1 % ihres Kontos, um Verlustserien ohne großen Schaden zu überstehen.

    Hat der Hebel Einfluss auf die Positionsgröße?

    Der Hebel beeinflusst nur die benötigte Margin. Er legt fest, wie große Positionen du überhaupt eröffnen kannst. Dein tatsächlicher Verlust beim Stop-Loss hängt allein von Positionsgröße und Stop-Loss Abstand ab.

    Wo finde ich den Punktwert im MetaTrader?

    Klicke in der Marktübersicht mit der rechten Maustaste auf das Symbol und öffne die Spezifikation. Dort findest du unter anderem die Kontraktgröße und die Tickgröße, aus denen sich der Wert pro Punkt ergibt.

    Fazit: Erst rechnen, dann klicken

    Wenn du die Positionsgröße berechnest, nimmst du dem Zufall die Kontrolle über dein Konto. Die Formel ist immer gleich: Risikobetrag geteilt durch Stop-Loss Abstand mal Punktwert. Wenn du sie konsequent vor jedem Trade anwendest, weißt du jederzeit, was auf dem Spiel steht, und eine Verlustserie wird zu einer unangenehmen Phase statt zu einem Kontokiller.

    Gute Einstiege bringen dir wenig, wenn die Positionsgröße nicht stimmt. Wenn du lernen willst, wie Risikomanagement, Strategie und Psychologie im manuellen Trading zusammenspielen, schaue dir an, wie du bei Trading-Kings starten kannst.